Beziehungen

Beziehungen – eine auditive Darstellung von Beziehungen

Ich sah die vergangenen drei Woche als ein Experiment. Audio, insbesondere Radio, ist ein Medium mit welchem ich, wenn es um die Gestaltung geht, selten in Kontakt komme. Mit wenig Ahnung und Erfahrung begann ich ein Konzept zu gestalten rund um das Thema Beziehungen.

Ich will keine dokumentarische Sendung machen mit erklärenden Gesprächen, Interviews oder Expertisen. Anstelle ist es mein Ziel, ein atmosphärisches Höhrerlebnis zu entwickeln, welches Höhrer*in die Facetten einer nicht-monogamen Beziehung empfinden lässt.

In meiner Arbeit schränke ich den Begriff Beziehung ein, auf eine romantische, emotionale, sexuelle Beziehung zwischen zwei oder mehreren Menschen. Bewusst wird die Komplexität des Begriffs Beziehung vereinfacht und die Aspekte zwischen Mensch und dessen Umwelt vernachlässigt. Es geht mir um das Objekt zwischen Menschen, die sich Lieben.

In der ersten Sendung will ich das Bild einer langen Beziehung vermitteln. Gewohnheit und Vertrauen sind die Haupttreiber.

Die Sendung beginnt mit einer atmosphärischen Musik, die Willkommensmeditation. Das Stück dauert 15min, wird alle 5min von einer Stimme unterbrochen, die ansagt, dass die Sendung bald beginnen wird und am besten ein ruhiger und sicherer Ort aufgesucht werden soll.

Die letzte Ansage vor der Sendung, erklärt noch ein bisschen genauer, was das Ziel der Sendung ist und gibt genauere Anweisungen für Höhrer*in.

„Probier, dich einzufühlen, in die Komplexität einer Beziehung zwei sich liebender Menschen.

Begebe dich also in eine bequeme Position. Setz dich, oder leg dich hin. Schliesse deine Augen.“

Im Hintergrund ist hört man Regen leise plätschern. Eine weibliche Stimme trägt ruhig und sanft ein polnisches Gedicht vor.

Es geht mir nicht darum, Gefühle zu erklären und auf sprachlicher Ebene verständlich zu vermitteln, sondern darum, dass mit Melodie, Geschwindigkeit und Lautstärke ein Gefühl und Emotionalität verständlich gemacht werden können.

Wir sind in einer Beziehung

Wir haben unsere eigenen Regeln

Ich weiss,

dass ich alles darf

Du weisst,

dass du mir nichts erlauben kannst

Eine neue Melodie im Hintergrund, die Harmonie, eine andere Stimme trägt langsam einen Text auf Deutsch vor. Ich wollte mit einem persönlichen Text einen Einblick erschaffen in eine Beziehung, die nicht dem Norm entspricht. Wichtig war mir zu zeigen, dass die Beziehung auf eigenen, neuen Regeln basiert, jedoch aber genauso wichtig ist für die beiden beteiligten Personen, wie eine traditionelle monogame Beziehung.

Die Musik und der Text sind für diese Sendung geschrieben worden.

Isis Astarte Diana Hecate Demeter Kali Inanna

Der meditative Gesprächsgesang drückt die Beständigkeit der Beziehung aus. Die sieben Namen verschiedener weiblicher Göttinnen werden immer wiederholt, im Hintergrund rhythmisch geflüstert, darüber eine improvisierte Stimme, mal singend, summend, oder sprechend.

https://soundcloud.com/sender-der-kuenste/sendung-2

Die zweite Sendung zeigt eine zweite Beziehung. Sie ist neuer, unerwartet entstanden und es herrscht eine gewisse Unsicherheit.

Im Hintergrund ein unregelmässiges Musikstück, die Überraschung. Theatralisch wird ein italienisches Gedicht vorgetragen. Es geht um Unsicherheit und Verzweiflung in der Liebe.

Viel Wein und Bier

Wir küssen uns

Wir lachen uns an

Ich weiss nicht, was mich erwartet

In diesem Text geht es darum, eine zweite Person kennen zu lernen. Im Fokus liegen die eigenen Zweifel daran, an einer weiteren Person Interesse zu haben. Wie die Vorwürfe und Vorurteile der Gesellschaft internalisiert werden und die eigenen Bedürfnisse hinterfragt werden.

Die dritte Sendung wird auch von der Willkommensmeditation eingeleitet. Alle weiteren musikalischen Elemente sind vollkommen improvisiert.

Ich habe erwartet,

die eine richtige Person

macht mein Leben vollkommen

Ich werde Ruhe finden,

für immer glücklich sein

Das ist alles nicht passiert

Niemand hat mir beigebracht,

Niemand hat mir gezeigt,

dass es anders auch funktionieren kann

Eine Kritik an unsere Gesellschaft. Warum sollen wir nicht versuchen unsere Bedürfnisse zu erfüllen, anstatt und an Normen zu halten und Standarte zu erfüllen, die niemanden glücklich macht?

Ich habe alle drei Sendungen nur mit Hilfe von Talentierten Menschen geschafft. Es war sehr spannend heraus zu finden, wie ich mit einem abstraktem Konzept und wenig Ahnung von Musik ein solches Projekt verwirklichen kann.

Einen grossen Dank geht an

Priszilla Medrano (Vocals, Text und Improvisation)

Virginia Vadini (Vocals, italienisches Gedicht)

Anna Kaufmann (Vocals, polnisches Gedicht)

Jonin Jeger (Musik, Willkommensmeditation, Harmonie, Überraschung)

Flurin Läuchli (Klarinette)

Dominik Kym (Musik, Improvisation)

 

Lea Oberli, BA Trends & Identity

HS 19

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